"Schnell wachsende, junge Unternehmen legen sehr viel Wert auf Flexibilität", sagt Michael Gottwald, Geschäftsführer bei Softselect. "Investitionen in Infrastruktur beurteilen sie sehr kritisch. Das ist für sie ein notwendiges Übel." Aber nicht nur die Unternehmensgründer setzen auf die Computerwolke, sagt Udo Nadolski vom Beratungshaus Harvey Nash in Düsseldorf: "Mittlerweile wollen in deutschen Unternehmen rund 60 Prozent der IT-Verantwortlichen Budgets für Cloud-Projekte bereitstellen. Noch nicht ausdiskutiert ist die Frage, wie sich die Anforderungsprofile für IT-Mitarbeiter ändern werden. Klar ist nur, dass einfache Administrationsaufgaben wegfallen werden. Hoch qualifizierte Informatiker brauchen sich keine Sorgen machen", so Nadolski.
Das von dem amerikanischen Internetexperten Nicholas Carr beschriebene Horrorszenario werde ausbleiben. Carr geht davon aus, dass sich die milliardenteuren IT-Abteilungen der Konzerne und Unternehmen auflösen werden. Das World Wide Web habe sich in eine weltweit wirksame Computerwolke verwandelt: Unsere PCs werden immer mehr zu bloß;en Terminals, deren Nutzen nicht länger davon abhängig ist, was auf der Festplatte gespeichert wurde, sondern von den Möglichkeiten des Netzes.
Damit werden Informationsgiganten wie Google oder Amazon zu Versorgungsdienstleistern, ähnlich wie Stadtwerke, Wasserwerke, Telefongesellschaften. "Weil immer mehr Wirtschaftssektoren dazu übergehen, diese einzigartigen Computernetzwerke zu nutzen, werden wir voraussichtlich weitere Arbeitsplatzverluste erleben. Das Elektrizitätsnetz trug einst dazu bei, breite Mittelschichten zu erschaffen; es könnte sein, dass das Computernetz dazu beiträgt, diese Mittelschichten wieder zu zerstören", schreibt Carr in seiner Abhandlung "Zukunft in der Matrix".
"Carr verkennt die vielen Aufgaben von IT-Managern. Die Infrastruktur ist doch nur ein kleiner Bestandteil. Da die Software eine immer größ;ere Rolle in der Produktwelt spielt, vom Maschinenbauer bis zum Autokonzern, bleibt der Bedarf an gut ausgebildeten Informatikern in den nächsten Jahren hoch", so der Personalexperte Nadolski. Der After-Sales-Experte Peter Weilmuenster, Vorstandschef von Bitronic, ist davon überzeugt, dass die Netzwerk-Ökonomie zu einer Neuorganisation der Wertschöpfungsketten beitragen wird, mit sehr positiven Effekten für spezialisierte Dienstleister. "Die Nähe zum Kunden und die Investitionen in Service Design, Nutzerfreundlichkeit, Wissen, in die Veredelung von Produkten sowie Applikationen werden immer wichtiger. Das eröffnet groß;en und kleinen Unternehmen völlig neue Möglichkeiten", erklärt Weilmuenster. Den Internet-Pessimismus von Carr könne er nicht teilen.
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Quelle: Magazin NeueNachricht http://www.ne-na.de/
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